Sollte die WHO aufgelöst werden?


Kann die Weltgesundheitsorganisation (WHO) noch reformiert werden oder muss sie neu geboren werden? Kann sie die Herausforderungen, vor denen sie steht, konkret und effektiv angehen? Sollte die WHO demontiert werden? Das sind wichtige Fragen, nicht nur für den nächsten Generaldirektor, sondern vielleicht noch mehr für die Mitgliedsstaaten, die die eigentlichen "Eigentümer" der WHO sind.

Herausforderungen

Wie die meisten Organisationen der Vereinten Nationen hat auch die WHO eine bewegte Geschichte. Ihre Erfolge sind monumental, aber auch ihre Misserfolge. Trotz dieser Referenzen wird der Anspruch der WHO auf eine globale Führungsrolle in Gesundheitsfragen durch neue Marktteilnehmer wie die Weltbank, den Globalen Fonds, bilaterale Entwicklungsagenturen, private Stiftungen und andere globale Gesundheitspartnerschaftsprogramme in Frage gestellt.

Die finanzielle Basis der WHO wird von einigen der privaten Stiftungen in den Schatten gestellt. Das Image der Organisation wurde leider durch viele ihrer Leiter beschädigt. Im Rahmen der Globalisierung ist der internationale Handel eine wichtige Determinante für gute Gesundheit, insbesondere für Länder mit niedrigem Einkommen, aber die WHO wird bei Verhandlungen mit mächtigen Akteuren wie der Welthandelsorganisation und der Pharmaindustrie behindert.

Bürokratie

Der WHO wird manchmal Verzögerung und übermäßige Bürokratie vorgeworfen. Als die thailändische Regierung den Zugang zu unentbehrlichen Medikamenten durch ein Patent ermöglichen wollte, bat sie die WHO um technische Unterstützung. Nach einer Verzögerung von mehreren Monaten antwortete das WHO-Hauptbüro, indem es sein Regionalbüro bat, die Unterstützung zu leisten - was letzteres nicht tun konnte. Es dauerte einige weitere Monate, bis das Büro in Genf, Schweiz, nach weiterem Drängen ein Expertenteam nach Thailand schickte.

Die bürokratische Struktur der WHO ist lähmend. Die Bürokraten in der WHO genießen so lukrative Leistungspakete, dass sie selten ihre Meinung sagen oder Risiken eingehen. Einige der engagierteren und fähigeren Mitarbeiter verlassen einfach die Organisation.

Trägheit

Der WHO wird auch Trägheit vorgeworfen - sie initiiert, setzt aber nicht immer durch. Die wegweisende Arbeit zu den sozialen Determinanten von Gesundheit ist ein Beispiel dafür. Sorgfältig durchgeführte gemeindebasierte Studien dokumentieren weiterhin eine immense potenzielle Rolle für andere Entwicklungssektoren bei der Verbesserung der Gesundheit.

Eine Studie, die in Matlab, Bangladesch, durchgeführt wurde, fand beispielsweise eine klare Auswirkung eines frauenfokussierten Entwicklungsprogramms, das von der Nichtregierungsorganisation BRAC umgesetzt wurde, auf die Verbesserung der Kindersterblichkeit. Die Kinder von Müttern, die an dem Mikrofinanz- und Frauenentwicklungsprogramm teilnahmen, hatten durchweg eine höhere Überlebensrate als andere, was dazu führte, dass die sozioökonomischen Ungleichheiten beim Überleben von Kindern verschwanden. Die Hoffnungen, die die Commission on Social Determinants of Health geweckt hat, werden ohne eine konzertierte Aktion, die andere Akteure für ein koordiniertes Vorgehen mobilisiert, verpuffen.

H1N1

Die WHO ist Produzent und Nutzer von globalem Wissen über Gesundheit. Ihre Unterstützung der Forschung hat zu ihren vielen Erfolgen beigetragen. Es gab aber auch einige erhebliche Probleme. Im Fall der H1N1-Pandemie 2009 wurde der WHO vorgeworfen, die Gefahr für die Mitgliedsstaaten zu übertreiben, indem sie eine Pandemie für die Impfstofflobby vortäuschte, die eine Milliarde Dosen Impfstoffe kaufte, die ungenutzt herumlagen, und so Milliarden von Dollar verschwendete.

EBOLA

Die WHO hat das Vertrauen ihrer Stakeholder verloren. Die Ebola-Krise ist ein Beispiel dafür. Die Epidemie tötete mehr als 11 000 Menschen und verursachte einen wirtschaftlichen Verlust von mehr als $2,8 Milliarden für die westafrikanischen Länder. Für viele war die WHO bei der Vorhersage der Epidemie und ihrer Bekämpfung eher reaktiv als proaktiv. Die Krise legte damit die Schwächen der Organisation als globale Führungsorganisation bei gesundheitlichen Notfällen offen. "In Zeiten der Krise braucht die Welt keine Aktenschieber. Sie braucht Stiefel auf dem Boden, ob in Uniform oder im weißen Kittel", schrieb ein Kritiker.

Finanzielle Transparenz

Es gibt Fragen über das Management und die finanzielle Transparenz der WHO. Die Abhängigkeit der Organisation von zweckgebundenen Geldern (etwa 80% ihres $4-Milliarden-Zweijahresbudgets) macht sie von der Gnade der Geber abhängig; es kann sein, dass die WHO den Interessen der Geber folgt, anstatt ihre eigene Agenda zu verfolgen.

Sollte die WHO aufgelöst werden?

Die WHO ist in 147 Ländern mit sechs Regionalbüros physisch präsent. Auf diese globale Infrastruktur entfallen 70% des Budgets der Organisation. Die Welt braucht eine starke globale Gesundheitsagentur, aber die WHO scheint in ihrem derzeitigen Zustand nicht in der Lage zu sein, mit der Dynamik der sich schnell verändernden globalen Gesundheitslandschaft umzugehen.