Kündigt die WHO die nächste Pandemie an?


Marburg, ein tödlicher Cousin von Ebola, kann neun von zehn Infizierten töten und wurde in den letzten 40 Jahren zweimal durch internationale Reisen von Afrika nach Europa gebracht. Wird die zunehmende Globalisierung die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass dieses Virus weltweit ausbricht?

Infektionen, die von Tieren ausgehen können

Im August 1967 traten bei einer Gruppe von Patienten in Marburg und Frankfurt (Deutschland) sowie in Belgrad (damals Jugoslawien, heute Serbien) die Symptome einer Infektionskrankheit auf: hohes Fieber, Schüttelfrost, Muskelschmerzen und Erbrechen. In den nächsten Tagen verschlimmerte sich der Zustand der Patienten, bis sie aus allen Körperöffnungen bluteten, auch aus Nadelstichwunden. Insgesamt starben 31 Menschen.

Drei Monate nach diesem Ausbruch hatten Virologen in Marburg das erste Filovirus entdeckt, einen Cousin des ebenfalls tödlichen Ebola-Virus. Das Virus war von infizierten afrikanischen grünen Affen aus Uganda übertragen worden.

Der Verzicht auf den Umgang mit Buschfleisch oder dessen Verzehr ist ebenfalls wichtig, um eine mögliche Ansteckung durch Tiere zu vermeiden.

Nach dieser ersten Sichtung wurde das Virus vor allem in afrikanischen Ländern in von Fledermäusen bewohnten Höhlen oder Minen gesichtet. Etwa 40 Jahre später tauchte das Virus in Europa wieder auf, und zwar durch eine Reisende, die von einer Reise nach Uganda, wo sie Höhlen besucht hatte, in die Niederlande zurückkehrte.

Beim größten bekannten Ausbruch des Marburg-Virus in Angola im Jahr 2004 infizierten sich über 250 Menschen und die Sterblichkeitsrate lag bei 90 Prozent.

Das Marburg-Virus kann in den Augen und Hoden von Menschen, die sich erholt haben, und bei schwangeren Frauen in der Plazenta, im Fruchtwasser und in der Muttermilch verbleiben. Dies kann äußerst gefährlich sein. Anfang 2021 gab es Berichte, dass das Ebola-Virus, das eng mit dem Marburg-Virus verwandt ist, in Menschen schlummern kann, um dann viele Monate nach dem Ende einer Epidemie wieder aufzutauchen und einen neuen Ausbruch auszulösen.

Krankheit: Marburg

Wo ist es im Umlauf? 

Die meisten Ausbrüche gab es in Afrika, wobei Fälle aus Angola, der Demokratischen Republik Kongo, Kenia, Südafrika, Uganda und Simbabwe gemeldet wurden. Allerdings gab es auch Ausbrüche in Europa und den USA.

Pandemische Bedrohung: 

Das Marburg-Virus kann, ähnlich wie Ebola, durch Kontakt mit Körperflüssigkeiten von Mensch zu Mensch übertragen werden. Wie Ausbrüche in Europa und den USA bereits gezeigt haben, bedeuten die zunehmende Globalisierung und der internationale Reiseverkehr, dass das Risiko einer weltweiten Ausbreitung hoch ist, insbesondere wenn die Inkubationszeit bis zu drei Wochen betragen kann. Angesichts der hohen Sterblichkeitsrate könnte dies katastrophale Folgen haben.

Wie wird sie verbreitet? 

Die Ägyptische Rauhhautfledermaus ist häufig Träger des Virus. Afrikanische Grüne Meerkatzen haben das Virus in der Vergangenheit auf Menschen in Uganda übertragen, aber auch Schweine können infiziert werden und eine Infektionsquelle darstellen. Das Marburg-Virus wird durch direkten Kontakt (über verletzte Haut oder Schleimhäute) mit Blut, Sekreten, Organen oder anderen Körperflüssigkeiten infizierter Menschen übertragen, aber auch durch Materialien wie Bettzeug, das mit den infizierten Flüssigkeiten verunreinigt wurde. Infolgedessen hat sich medizinisches Personal bei der Behandlung von Patienten mit dem Marburg-Virus häufig infiziert. Auch Beerdigungszeremonien, bei denen Menschen direkten Kontakt mit dem Leichnam haben, können die Verbreitung des Virus fördern.

Todesfallrate: 

Marburg ist eines der tödlichsten Viren, die wir kennen, und tötet bis zu 88% Menschen, die es infiziert.

Inkubationszeit: 

Die Inkubationszeit variiert von zwei Tagen bis zu 21 Tagen, wobei einige Studien darauf hindeuten, dass das Virus bis zu 26 Tage inkubieren kann.

Die Symptome: 

Das Marburg-Virus beginnt mit Fieber, starken Kopf- und Muskelschmerzen. Darauf folgen oft wässriger Durchfall, Magenschmerzen, Übelkeit und Erbrechen, begleitet von extremer Erschöpfung und Lethargie. Viele Menschen entwickeln im weiteren Verlauf ein schweres virales hämorrhagisches Fieber und haben in schweren Fällen Blut im Erbrochenen und im Stuhl, und es kann zu Nasen-, Zahnfleisch- und Vaginalblutungen kommen. Der Ansturm des Virus ist so stark, dass die meisten Menschen 8-9 Tage nach der Infektion sterben, oft aufgrund des starken Blutverlustes.

Diagnose:

Marburg kann klinisch schwer von anderen Krankheiten wie Malaria, Typhus, Meningitis und anderen viralen hämorrhagischen Fiebern zu unterscheiden sein. Die Diagnose kann mit Hilfe von Techniken bestätigt werden, die das Vorhandensein einer Immunreaktion auf das Virus nachweisen, wie z. B. dem ELISA (Enzyme-linked Immunosorbent Assay), oder durch das Vorhandensein des Virus bei Personen mit Symptomen mittels Antigen-Capture-Detektionstests, Reverse-Transkriptase-Polymerase-Kettenreaktion (RT-PCR) oder Virusisolierung durch Zellkultur. In den Ländern, in denen das Risiko eines Marburg-Ausbruchs am höchsten ist, ist jedoch häufig keines dieser Diagnoseinstrumente verfügbar. Zusätzlich zur Verfügbarkeit der diagnostischen Tests müssen die Länder über Laboratorien verfügen, die aufgrund der Tatsache, dass die Proben ein extremes biologisches Risiko darstellen, maximale biologische Sicherheitsbedingungen gewährleisten können.

Gibt es Impfstoffe oder Behandlungen, oder laufen Forschungs- und Entwicklungsarbeiten?

Derzeit gibt es keine spezifischen Therapeutika für das Marburg-Virus. Allerdings kann eine unterstützende Behandlung einschließlich der Rehydrierung mit oraler oder intravenöser Flüssigkeit das Überleben verbessern. Dies kann die Aufrechterhaltung des Sauerstoffstatus und des Blutdrucks, den Ersatz von verlorenem Blut und Gerinnungsfaktoren sowie die Behandlung komplizierender Infektionen bedeuten. Mögliche Behandlungen, darunter Blutprodukte, Immuntherapien und medikamentöse Therapien, werden derzeit geprüft. Impfstoffkandidaten gegen das Marburg-Virus werden untersucht. 2019 begann beispielsweise die Internationale AIDS-Impfstoff-Initiative (IAVI) mit der Erforschung eines rekombinanten Marburg-Virus-Impfstoffkandidaten mit Vesikulärem Stomatitis-Virus-Vektor (VSV), genannt rVSVΔG-MARV-GP. Ein weiterer Impfstoffkandidat, MVA-BN Filo, der sowohl Marburg- als auch Ebolavirus-Antigene enthält, könnte potenziell vor beiden hämorrhagischen Viren schützen. Er befindet sich derzeit in Phase-3-Studien und scheint eine gute Immunität gegen den Ebola-Zaire-Stamm auszulösen, wurde aber noch nicht gegen das Marburg-Virus getestet.

Wie können wir das Risiko einer Pandemie verringern?

Da das Marburg-Virus von Mensch zu Mensch übertragen werden kann, sind äußerst strenge Maßnahmen zur Infektionskontrolle erforderlich, um jeglichen Kontakt zwischen Menschen zu vermeiden, um sicherzustellen, dass alle Laborproben sorgfältig entsorgt werden, und um sichere Bestattungsverfahren zu gewährleisten. Auch der Verzicht auf den Umgang mit oder den Verzehr von Buschfleisch ist entscheidend, um eine mögliche Ansteckung durch Tiere zu vermeiden. Internationale Reisen sind ein wichtiger Risikofaktor für die Ausbreitung des Marburg-Virus über Afrika hinaus, und eine schnelle Diagnostik ist wichtig, um sicherzustellen, dass die Fälle aufgegriffen werden, bevor Menschen das Virus in andere Länder tragen.