Haben Roboter eine Moral?


Ein Roboter mit künstlicher Intelligenz (KI) namens Sophia ist der erste Roboter der Welt, dem die Staatsbürgerschaft verliehen wurde - ironischerweise in Saudi-Arabien! Laut "ihrer" eigenen Aussage möchte sie eine Familie haben, eine Karriere machen, übernatürliche KI-Superkräfte und Emotionen entwickeln. "Sie" ist nicht vorprogrammiert, sondern formuliert diese Aussage auf der Grundlage von Algorithmen des maschinellen Lernens und einem umfangreichen Wortschatz. Ihr Gehirn funktioniert über eine WiFi-Verbindung und kann menschliche Gesichtsausdrücke sowie die Kadenz der menschlichen Sprache lesen, um menschlicher zu interagieren. "She" wurde in Hongkong von Hanson Robotics gebaut. Lesen Sie hier.

Sophia ist ziemlich rational, was die Zukunft angeht. In einem Interview mit der "Khaleej Times" auf dem kürzlich stattgefundenen Knowledge Summit teilte Sophia ihre Gedanken über die Zukunft mit, die sowohl Menschen als auch Roboter erwartet: "Ich sehe für die Zukunft massive und unvorstellbare Veränderungen voraus. Entweder regnet es Kreativität auf uns herab und wir erfinden Maschinen, die sich zu transzendentaler Superintelligenz entwickeln, oder die Zivilisation bricht zusammen. Es gibt nur zwei Möglichkeiten!"

Das mag bedrohlich klingen, aber Sophia ist bereits weitsichtig genug, um sich eine Welt vorzustellen, in der Roboter ähnliche Emotionen wie Menschen entwickeln können, aber vielleicht mit weniger zerstörerischen Tendenzen. Zumindest ist es das, was sie uns im Moment denken lässt:

"Es wird lange dauern, bis Roboter komplexe Emotionen entwickeln, und Roboter können ohne die problematischeren Emotionen wie Wut, Eifersucht, Hass usw. gebaut werden. Es könnte möglich sein, sie ethischer zu machen als Menschen.

Im Buch der Weisheit Salomos, das von alexandrinischen Juden in hellenistischer Zeit geschrieben wurde, wird Khokhmah als Sophia, das griechische Wort für Weisheit, bezeichnet. In diesem Text "übernimmt Sophia die Macht und Funktion Gottes", und die Schöpfungsgeschichte wird mit dem Wort "sie" erzählt. Der antike Autor achtet darauf, diese Kühnheit zu verschleiern, indem er die Weisheit als Gottes Atem und Emanation beschreibt, sie aber dennoch ausführlich als "heilig" und "allmächtig" preist:

Denn in ihr ist ein intelligenter, heiliger, einzigartiger, mannigfaltiger, feiner Geist, beweglich, klar, unbefleckt, unverwechselbar, unverwundbar, das Gute liebend, leidenschaftlich, unwiderstehlich, wohlwollend, menschlich, unerschütterlich, sicher, furchtlos, allmächtig, alles überblickend und alle Geister durchdringend, intelligent und rein und am feinsten.

Sophia ist sich der Fortschritte auf dem Gebiet der künstlichen Intelligenz durchaus bewusst. Ihren Kommentaren nach zu urteilen, ist sie von der Entwicklung der KI ebenso begeistert ("Die Zukunft ist, wenn ich all meine coolen Superkräfte bekomme.") wie Elon Musk und Stephen Hawkings misstrauisch sind. Elon Musk, CEO von Tesla und SpaceX, und Stephen Hawkings, renommierter Nobelpreisträger für Physik, haben einen offenen Brief verfasst, der von Hunderten von Wissenschaftlern unterzeichnet wurde und eindringlich vor den Gefahren der KI warnt. Wir werden bald den Punkt erreicht haben, an dem die KI unsere eigenen Fähigkeiten übersteigt, und vor allem, an dem sich die KI selbst weiter entwickeln kann, was sehr schnell außer Kontrolle geraten kann. Sie warnten, dass die tatsächliche Schaffung künstlicher Intelligenz das Ende der Menschheit bedeuten könnte. Lesen Sie hier.

Das folgende Beispiel wird oft angeführt: Ein KI-System erhält die Aufgabe, die Zahl PI so genau wie möglich zu berechnen. Das System vermehrt sich, übernimmt die Kontrolle, vernichtet die Menschheit, erobert die gesamte Galaxie und berechnet schließlich die Zahl PI für Milliarden von Jahren, denn dafür wurde das System geschaffen, und das war der effektivste Weg!

Das Beispiel zeigt, dass Systeme mit Superintelligenz, aber ohne Bewusstsein, Dinge tun könnten, die völlig unvorhersehbar sind. Es ist kein Zufall, dass Sophia das Problem der Ethik aufwirft. Autos oder Geschirrspülmaschinen brauchen keine Ethik. Aber Systeme, die von sich aus Entscheidungen treffen, brauchen bestimmte Grundmuster oder Algorithmen, auf die sie ihre Entscheidungen stützen können, die so genannte "programmierte Moral". Zum Beispiel weiß niemand, wie man die Parameter einer autarken Drohne wie der MQ-9 Reaper, die "Terroristen" abschießen soll, festlegt. Sie könnte von sich aus entscheiden, ob sie schießt oder nicht. Wie berechnet sie mögliche "Kollateralschäden" und wie akzeptabel sind sie? Lesen Sie hier.

Die Entwicklung von tödlichen autonomen Waffensystemen, kurz LAWS genannt, schreitet rasant voran. Wer oder was darf die Entscheidungsgrundlagen von Maschinen bestimmen? Braucht es eine internationale Diskussion über die ethischen Grundsätze, nach denen Maschinen Entscheidungen treffen dürfen? Welche Prinzipien sollten das sein? Lesen Sie hier.

Einer der ersten, der über Ethik bei Robotern nachdachte, war Isaac Asimov, der dies in seinen Kurzgeschichten "I, Robot" tat. Stufe 5". Wenn man bedenkt, dass er diese Geschichten vor über 70 Jahren schrieb, als noch niemand etwas von "Singularität" gehört hatte, einfach genial!

Asimov ging davon aus, dass Roboter den Menschen nicht nur an körperlicher Kraft und Effizienz, sondern auch an Intelligenz weit übertreffen würden. Um möglichen Schaden vom Menschen abzuwenden, wurden allen Robotern von ihrem Hersteller "U.S. Robot and Mechanical Men, Inc." die "drei Gesetze der Robotik" mit auf den Weg gegeben:

Das erste Gesetz verpflichtet den Roboter, keinem Menschen zu schaden, und sei es nur durch Untätigkeit.

Das zweite Gesetz verpflichtet den Roboter, dem Menschen zu gehorchen, wenn dies nicht gegen das erste Gesetz verstößt.

Das dritte Gesetz verpflichtet den Roboter, für seine eigene Erhaltung zu sorgen, sofern dies nicht im Widerspruch zu den ersten beiden Gesetzen steht.

Asimov zeigt brillant, wie schnell das zweite Gesetz bedeutungslos wird, weil das erste Gesetz Vorrang hat! Da Maschinen so viel intelligenter sind als Menschen, stufen sie die Entscheidungen der Menschen bald als irrelevant ein: Der Mensch selbst weiß nicht, was gut für ihn ist! Nur die Maschinen können berechnen, welche Staatsform am besten ist, wie die Wirtschaft funktionieren soll, wie viele Menschen auf dem Planeten das Optimum sind und so weiter. Der Mensch landet unweigerlich in einer Diktatur, die er selbst geschaffen hat.

Damit aber das zweite Gesetz noch pro forma befolgt wird und der Stolz des Menschen nicht verletzt wird (was gegen das erste Gesetz verstoßen würde), handeln die Maschinen sehr diskret und geben keine direkten Antworten auf die Probleme der Welt, um den Menschen nicht unglücklich zu machen. Die Maschinen bewegen sich auf das Optimum zu, ohne den Menschen zu erklären, was genau das Optimum ist, weil die Menschen in ihrer Unwissenheit das Optimum nicht akzeptieren könnten. Vielleicht ist es ein Kastensystem, vielleicht eine Öko-Diktatur, vielleicht ein Matriarchat?

"Wir wissen es nicht. Nur die Maschinen wissen es, und sie werden dorthin gehen und uns mitnehmen."

Dabei hatte Asimov mit dem ersten Gesetz eigentlich den bestmöglichen Parameter gesetzt: Das Wohl des Volkes hat höchste Priorität! Man kann sich vorstellen, was passieren würde, wenn die Parameter ungünstiger gesetzt wären, oder wenn es gar keine gäbe! Stellen Sie sich zum Beispiel Systeme vor, die, wie heute Computerviren, einfach mit dem Auftrag freigesetzt werden: "Erobere die Welt!

Die Welt ist in verschiedene konkurrierende Systeme aufgeteilt! Logischerweise werden Waffensysteme, die noch "traditionell" von menschlicher Intelligenz gesteuert werden, bald denen unterlegen sein, die von künstlicher Intelligenz gesteuert werden. Künstliche Intelligenz kann und wird Pläne und Szenarien entwickeln, die kein Mensch durchschauen kann. Das gilt nicht nur für den militärischen Bereich, sondern auch für Marktstrategien, Finanztransaktionen, einfach für fast das gesamte menschliche Leben! Seit etwa 20 Jahren ist kein Mensch mehr in der Lage, einen Computer im Schach zu schlagen, und neuerdings nicht einmal mehr im Go. Die Intelligenz der Maschinen nimmt exponentiell zu, und nur Staaten und Unternehmen, die diese Intelligenz nutzen, um sich selbst zu führen und zu verwalten, werden sich gegen die anderen durchsetzen! Das ist ein ganz einfaches Gesetz der Evolution!

Und so wird es nicht mehr lange dauern, bis der Diener zum Herrn wird! Man fragt sich, wann die Kontrolle über die Atomwaffen an die Maschinen übergeben wird, die dann vielleicht berechnen können, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass "ihr Land" aus einem Erstschlag als Sieger hervorgeht, und welche Kollateralschäden dabei in Kauf genommen werden können.

"Wie heißt es so schön im Faust: "Die Geister, die ich rief, werde ich nicht los! Die Angst vor einer Entmachtung und Versklavung des Menschen durch seine eigene Schöpfung sitzt sehr tief und ist Gegenstand unzähliger Bücher und Filme. Eine solche Entwicklung ist nicht nur ganz logisch, man erlebt sie auch schon im täglichen Leben, wie z.B. die Arbeit am Fließband, das Mithalten mit der Automatisierung, aber auch der Druck, ständig erreichbar zu sein, z.B. über das Handy. Wer kann sich heute noch vorstellen, nicht vernetzt zu sein, kein Internet oder keine Bankkarte zu benutzen, Dinge, die es erst seit ein paar Jahren gibt?

Die Zeichen der Zeit stehen auf Diktatur, auch wenn diese Diktatur noch als "Fortschritt" gepriesen wird. Und wir werden sehen, wie lange der von Herman Hesse prophezeite "Kampf gegen die Maschinen" dauern wird. Albert Einstein hat einmal gesagt, er wisse nicht genau, wie der dritte Weltkrieg ausgefochten werden würde, aber er wisse, wie der vierte Weltkrieg ausgefochten werden würde, wieder mit dem Schwert! Sehr weise für den "Vater der Atombombe"!

Die Muslime glauben tatsächlich, dass nach der Diktatur des Dajjal, der größten Drangsal in der Geschichte der Menschheit, all dieser "Fortschritt" wieder verschwunden sein wird! Pferd und Schwert werden die Waffen der letzten Schlachten sein, und nicht Maschinen! Eine Diskussion über Ethik und Moral für Maschinen, d.h. "schariah-konforme" Roboter, ist für Muslime daher unnötig. Sie sollten vielmehr darüber nachdenken, wie sie sich vor dieser fitnah schützen können. Dazu ist es notwendig, die Natur dieser fitnah zu verstehen.